Kein Zaun am Brenner

Wer auch findet, dass ein Zaun am Brenner eine Schnapsidee ist, hat hier die Möglichkeit eine Petition dagegen zu unterzeichnen.

Ich bin davon überzeugt, dass wir gemeinsam die noch fehlenden 1.800 Stimmen schaffen und hoffe, dass dies als ein Zeichen gegen das neuerdings wiederaufkommende Bestreben ist, immer und überall wieder Mauern aufzubauen.
Die letzten Jahre war die Europaregion Tirol-Südtirol-Trentino ein Beispiel für die Wichtigkeit des Schengenabkommens und welche wirtschaftlichen und sozialen Vorteile sich daraus erschließen. Die Grenze wird täglich von vielen Pendlern überquert und ist eine der Hauptverkehrsadern in der gesamten EU-Wirtschaftszone.

An dieser Stelle möchte ich noch Hanspeter Niederkofler (Gemeinerat Bruneck) zu zitieren: "[...] In Südtirol scheint nun die erste Sorge zu sein, es könnte an den Grenzen zu Wartezeiten kommen. Das Problem ist aber etwas größer. Die Neigung, alles durch die lokale Brille zu sehen ist manchmal befremdlich" ("Puschtra" - Nr. 4 vom 24.02.2016). Schön formuliert, danke.

Ein Zaun am Brenner - Was für ein hirnloses Gespinst eines nationalistischen Zeitgeist vom letzten Jahrtausend. Zurück ins Grab mit dir, du verwester Zombie, niemand mag dich!

Mann Mann Mann, kaum ist man einen Monat weg, schon ändert sich die Welt so zum schlechteren. Ich bin ja immer mehr davon überzeugt, dass zur Zeit der "Egoistischer Einzelkämpfer" Hochkonjunktur hat und eine kollektive Lösung durch die Bestrebungen einzelner Nationalstaaten (wie in diesem Fall) oder auch nur von einzelnen Individualkämpfern (in anderen Fällen) erschwert oder behindert wird. Betrachtet man die aktuellen Konflikte und die Entwicklung Europas vom Standpunkt der Spieltheorie aus wird genau durch solche Aktionen der Handlungsspielraum wesentlich eingeschränkt und viele kollektive Lösungen schon im Keim erstickt. Das ist jedoch ein Trend, der sich schon in den letzten Jahren angekündigt hat und meine Sichtweise ist in diesem Fall vielleicht auch etwas zu mathematisch und damit einseitig.

Bei den politischen Entwicklungen seit Beginn der Flüchtlingskrise könnte ich echt nur noch kotzen.

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Ich bin wieder zuhause.

Ein Monat ist vorbei und unsere Schicht geht damit zu Ende. Im Gegensatz zur Nachtwache endet unsere Schicht nämlich mit dem nächsten Vollmond und nicht im Kampf gegen White Walker.

Ich kehre zurück mit einem Sack voller Erlebnisse und einer Lebenserfahrung, die ich nicht missen wollen würde. Ich habe ein Monat in der Savanne, mitten im Nirgendwo eine Regenzeit durchlebt, in der es nur einmal leicht geregnet hat. Ich habe Sand gesehen, viel Sand, Affen gejagt, 'ne verdammte Cobra erledigt, eine Puffotter gesehen, Teleskope ausgeparkt und wieder eingeparkt, Beobachtungen durchgeführt, Sachen repariert, meinen kompletten Schlaf- Wachrythmus umgestellt und vieles mehr.

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Hey du kleiner Racker! Erdmännchen bei seinem Bau

Eines der Highlight des Schicht war Albert's weltberühmtes BBQ. Der Grillmeister hat es soweit geschafft, dass er einer der Gesprächspunkte beim Paris-Meeting von H.E.S.S. war. Zurecht! Wer so Grillen kann, braucht sich nicht zu verstecken. Ehre wem Ehre Gebührt – und die Ehre als Grillmeister der Savanne gebührt dir!

Die Beobachtungen liefen ganz gut, soweit überhaupt möglich. Viele Nächte konnten wir gar nicht oder nur eingeschränkt Beobachtungen durchführen, da der Wettergott in dieser Zeit die Savanne mit zahlreichen Wolken segnet.

Ein weiteres Highlight war für mich der Blick auf einen klaren, wunderschönen und etwas anderen Sternenhimmel. Auf der Site gab es praktisch keine Lichtverschmutzung – Ich habe noch nie einen volleren Sternenhimmel gesehen oder eine so klare Milchstraße. Die Vielfalt an Sterne und die Klarheit des Nachthimmels haben mehr als nur einmal ein klares „Wow“ über meine Lippen gebracht. Ich kann mir gut vorstellen, dass unsere Vorfahren dieselbe Ehrfurcht verspürt haben, wie meine gierigen Augen, die jeden Zentimeter des Himmels sorgsam untersucht haben. Ernsthaft Leute, nehmt euch hin und wieder mal eine Nacht Zeit, packt euch einen Schlafsack und geht auf irgendeinen Berg oder einen Fleck weg von den Städten. Dann hebt den Kopf und lasst euch von einer Schönheit packen, das nur das Licht von zig-Milliarden Sternen erzeugen kann, deren Licht unvorstellbare Entfernungen gereist ist, um in diesem Augenblick von euren Augen verschlungen zu werden – Der ganze Kosmos breitet sich vor euren Augen aus. Herrlich!

Das ist einer der Eindrücke, die ich dankbar nach Hause bringen darf. Der Blick auf den Sternenhimmel von der Südhalbkugel aus ist spannend – Ich konnte zum Ersten mal das Kreuz des Südens sehen, eine sehr markante Konstellation am Nachthimmel, die den Seefahrern einen Anhaltspunkt gibt, wo Süden ist.

Orion steht übrigens auf dem Kopf, zumindest so wie wir Nord das gewohnt sind.

Und nun ist meine Schicht an unserem schönen Teleskop zu Ende. Ich freue mich schon darauf, wieder bekannte Gesichter zu sehen und meine Freunde mit den Heldengeschichten „Felix, der Erklimmer des Affenhügels“ und „Felix mit Spaten, der Schrecken der Cobra“ zu nerven. Jep Leute, da müsst ihr leider durch :-p

War eine spannende Zeit und ein Stück Lebenserfahrung, auf die ich sicherlich für den Rest meines Lebens mit einem Lächeln zurückblicken kann. Und vielleicht nochmal die Chance kriege, ein Monat hier zu verbringen - ansonsten halt an einem anderen spannenden Ort.

Ich bin dankbar, dass meine Doktorarbeit mir auch solche Gelegenheiten bietet, denn immer nur im finsteren Stübchen zu hocken ohne einen Bezug zur Praxis macht keinen Spaß und lässt einen solche Gelegenheiten verpassen, die einen Menschen erst prägen. Praxiserfahrung ist halt etwas, was man nur erlangen kann, wenn man hin und wieder seinen Allerwertesten in die Welt da draußen bringt. Und wer weiß … Vielleicht passiert es ja auch, dass man Spaß daran findet 🙂

Diesen Beitrag habe in an meinem letzten Abend hier in Namibia geschrieben – Ich öffne ein Windhoek Draught und trinke auf den Moment und die Erlebnisse des letzten Monats.

Life is good 🙂

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Impro-Waffeln nach Felix' Art

Sonntag, 16:00 Uhr in Namibia. Der Kaffee steht dampfend am Tisch, die Aussicht ist herrlich.
Und es ist kein Kuchen da, um gegessen zu werden.

Waffels - "Use what you have left"-Style!

Time to make delicious waffels.
Nur eben nicht nach altbewährtem Rezept, sondern mit den Zutaten, die noch da sind. Im Zweifelsfalle, improvisiere was das Zeug hält!

Zutaten

  • 250g Mehl (Weißmehl gemischt mit irgendwas komischem, wo schon Backpulver drinnen ist)
  • 100g Butter (8 g Butter und der Rest irgend ein gesalzenes Butter-Ersatz-Zeugs, das noch da war)
  • 50g Jogurt (wir hatten keine Sahne mehr)
  • 125g Zucker
  • 4 Eier
  • 2 Päckchen Vanillezucker (die ich eigentlich für Buchteln oder sowas gekauft hatte)
  • etwa 200ml Milch (aus einer komischen grünen Packung)
  • 1 Prise Salz (Iodiert mit eine Haltbarkeit von 2 Jahren)

Durchführung nach Felix' Art

Eier trennen, und das Eiweiß steif schlagen. Dazu zunächst einen Rührer nehmen, herausfinden, dass das Teil nur Knetaufsätze hat, den Rührer verfluchen, und dann den zweiten Mixer verwenden, der auch "normale Aufsätze" hat.
Die emotionale Komponente nach der Wahl der Mixer ist dabei essentiell, denn diese bestimmt auch die Geschwindigkeit, mit der der Teig gerührt wird. Wichtig!

Noch etwas grantig, werden nun alle Zutaten mit unnötig hohem Elan in eine Schüssel gemischt und dort unter Einsatz diverser Drohgesten verrührt. Der Teig muss immerhin spüren, wer hier der Chef ist. Klare Fronten schaffen, von Anfang an!

Nachdem nun alles verrührt ist, mischt man noch das beinahe vergessene Salz bei. Dabei ist es unerlässlich, dass mindestens genauso viel Salz neben der Schüssel, wie in der Schüssel landet. Das baut eine Sicherheitszone gegen Ameisen und anderes Ungeziefer, wie z.B. naschende Mitarbeiter auf.

Nun wird ein Waffeleisen herangeschafft. Da es ein mir neues Gerät ist, und keine Bedienungsanleitung da ist (die auch wahrscheinlich niemand gelesen hätte) werden die ersten Waffeln erstmal so richtig versaut. Also so richtig! Am Besten gelingt das damit, dass man die Temperatur ganz nach unten dreht, und die Waffeln so überproportional lange im Waffeleisen lässt. Die dadurch entstehende Verkrustung und irreversible Verbindung von Teig und Waffeleisen schaffen zusätzlichen Respekt beim verbleibenden Teig und die künftigen Waffeln werden es nicht wagen, nochmals zu verkleben. Zumindest nicht nachdem sie gesehen haben, wie die erste Ration grausamst aus dem Eisen gekratzt wurde, und nur Stücke von der Größe < 1cm übrig blieben. Hier gilt die Einschüchterungstaktik! Weiteren Waffeln dürfen gar nicht mehr erst dran denken zu verkleben.

Die entstandenen Waffeln werden nun in Reih' und Glied am Tisch ausgelegt. Wer aus der Reihe tanzt, wird sofort und ohne Umwege verputzt. Selbiges gilt auch für besonders schmackhafte Exemplare. Der verbleibende Rest an gut ausgebildeten Einheitswaffeln wird noch in eine Tupper-Ware einquartiert, und wartet auf den Einsatzbefehl. Der kann dann auch in der Nacht ankommen, als Support für eine angeschlagene Shift-Truppe am Teleskop ("Sugar-Support needed. NOW!")

Fazit

Waffeln machen nach Rezept ist was für Weicheier. Alles was zählt ist ein entsprechender emotionaler Zustand und den Teig von Anfang an zu zeigen, wer hier der Chef ist. Manchmal bist du der Rüher, und manchmal bist du eben das Ei. So ist das.

 

 

Die Waffeln haben übrigens sehr gut geschmeckt - Und nehmt nicht alles was da oben steht zu ernst 😉

Mampf!

Air Shower

In meinem letzten Beitrag ging es darum, was wir überhaupt mit H.E.S.S. machen.
Wir betreiben hier in Namibia also Gamma-Astronomie und beobachten jene Lichtblitze, die entstehen, wenn ein Gamma-Teilchen in die Erdatmosphäre eindringt. In diesem Beitrag möchte ich etwas detaillierter auf die Entstehung der Teilchenkaskade eingehen, die ein einfallendes Gamma-Teilchen produziert.

Los geht's! 🙂

Cosmic Air shower

Oder: Was passiert eigentlich mit den Gammas in der Erdatmosphäre?

Wir wissen also vom letzten Beitrag, dass die Gamma-Strahlung von der Erdatmosphäre abgeschirmt wird und nicht direkt den Boden erreicht. Was genau passiert also mit den Teilchen in der Erdatmosphäre?

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Illustration eines Air Showers - Quelle: University of Adelaide

Beginnend in einer Höhe von etwa 40 km hat die Atmosphäre genug Teilchen (Atome oder Moleküle), mit denen ein einzelnes Gamma-Photon zusammenstoßen kann. Bei jedem Stoß gibt das Gamma-Teilchen einen Teil seiner Energie ab und es werden neue Teilchen erzeugt. Da die neuen Teilchen immer noch sehr sehr viel Energie haben, können diese durch Stöße wiederum neue Teilchen produzieren, wie immer noch viel Energie haben, nochmals stoßen und dabei immer noch neue Teilchen produzieren. Wir erhalten also eine regelrechte Kaskade von Stößen, bei dem immer mehr, verschiedene Teilchen produziert werden. Die Zusammenfassung aller Teilchen, die durch alle Stöße produziert werden, wird als Cosmic Air Shower (oder Extensive Air Shower) bezeichnet.

Wir wissen nun also, dass ein hochenergetisches kosmisches Teilchen in der Erdatmosphäre sogenannte Extensive Air Shower produziert. Nun gibt es allerdings nicht nur Gamma-Lichtteilchen, die in der Atmosphäre wechselwirken, sondern auch andere Teilchen wie z.B. Elektronen oder Protonen. Auch diese verursachen Air Shower. Allerdings haben die Air Shower unterschiedliche Formen, je nach Urpsrungsteilchen. So kann man einen Protonen-Shower von einem Gamma-Shower unterscheiden und sich auf die Teilchen konzentrieren, an denen man interessiert ist.

Teilchenkaskade

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Teilchenkaskade (Schematisch) - By Mpfiz - originally from nl.wikipedia CC BY 3.0

Die ersten Teilchen, die bei einem Air Shower produziert werden sind hauptsächlich Pionen und auch einige Kaonen und Baryonen. Pionen und Kaonen sind Elementarteilchen, die nicht stabil sind und daher wieder in andere Teilchen zerfallen.

Aus den neutralen Pionen entstehen entweder wieder Gammas, die wiederum eine Kaskade triggern können. Aus den geladenen Pionen entstehen die entsprechenden Myonen und ihre Anti-Neutrinos. Myonen können wir mit H.E.S.S. detektieren, da sie einen charakteristischen Cherenkov-Lichtkegel hinterlassen. So tief möchte ich hier allerdings nicht in die Physik einsteigen.

Im weiteren Verlauf entstehen Elektronen-Positronen-Paare, Protonen, Neutronen, Gamma-Teilchen, Pionen, Myonen, Kaonen, die wiederum Stoßen können und dadurch neue Teilchen produzieren. Ein einzelnes einfallendes kosmisches Teilchen kann also eine ganze Kaskade, also eine Reihe von weiteren Reaktionen auslösen.

Stossprozess
Illustration eines möglichen Stoßprozess. Ein einfallendes Teilchen streut am Coulomb-Potential eines Atoms. Die Energie ist ausreichend, um neue Teilchen zu produzieren.

Irgendwann werden die neu produzierten Teilchen nicht mehr genug Energie haben, um bei Stößen weitere Teilchen zu produzieren. Von diesem Moment an, nimmt die Intensität der Stoßkaskade ab. Diesen Punkt nennt man den Shower Maximum.

Zusammengefasst: Ein eintreffendes Teilchen hat genug Energie, um eine Kaskade auszulösen, bei der durch Stöße in der Atmosphäre immer mehr verschiedene Teilchen produziert werden. Diese Teilchen können wiederum durch Stoßprozesse weitere Teilchen produzieren, bis irgendwann die ursprüngliche Energie aufgebraucht ist. Die entstehenden Teilchen werden als Cosmic Air Shower bezeichnet.

Weiterführend verlinke ich hier den englischsprachigen Wikipedia Artikel.

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Und so schaut ein Air Shower dann in der Kamera aus

Air Showers in der Kamera

Wenn man denn eine geeignete Kamera hat, denn diese Lichtblitze sind so schwach, dass man sie weder mit normalen Auge, noch mit einer handelsüblichen Digitalkamera aufnehmen kann. Dafür braucht man Photomultiplier, also einzelne Elektronenröhren, die so sensibel sind, dass sie fast einzelne Lichtteilchen (Photonen) aufnehmen können. Und genau dafür wurde H.E.S.S. gebaut. Um die Lichtblitze in der Atmosphäre zu fotografieren und auszulesen, die von einzelnen sehr hochenergetischen Gamma-Photonen erzeugt werden und damit dann ein Spektrum zu generieren, mit dem dann Wissenschaft betrieben wird.

Weiterführende Links

Neue Bilder

H.E.S.S. - Was machen wir hier eigentlich?

Nach den letzten Beiträgen die eher ein Erlebnisbericht waren, widme ich die nächsten Beiträge der Erläuterung, warum in den Khomas Highlands überhaupt so ein großes Teleskop (eigentlich vier große und ein GROßES) steht und was wir damit machen.

Was machen wir hier eigentlich?

H.E.S.S. ist eines der erfolgreichsten Experimente der Astroteilchenphysik. Was es so erfolgreich macht ist einfach die Tatsache, dass es ein sehr großes, bodengebundene Teleskop für Gamma-Strahlung ist. Wir beobachten hier also Gamma-Strahlung. Doch was ist das genau?

Gamma-Strahlung

Das Licht wird in ein Spektrum unterteilt - Ein Spektrum kann man sich wie einem Regenbogen vorstellen: Man kann es in unterschiedliche Komponente aufspalten, die unterschiedliche Energie haben. Die einzelnen Komponente nehmen wir mit dem menschlichen Auge dabei als Farbe wahr. Jede Farbe besteht aus Lichtteilchen mit einer ganz bestimmten Energie: Rotes Licht (Wellenlänge 600 nm) hat beispielsweise Photonomen mit etwa 2.0 eV, blaues Licht (400 nm) etwa 3.1 eV. Wenn wir mit einem Prisma nun weisses Licht in seine Bestandteile aufspalten, so können wir das gesamte Spektrum in Form eines Regenbogens sehen.

Mit dem menschlichen Auge können wir nur einen sehr geringen Teil des gesamten Spektrums sehen (Siehe Grafik unten). Mit verschiendenen Teleskopen können wir auch andere Teile des Spektrums sichtbar machen und dadurch in verschiedene Energiebereiche des Kosmos blicken. Denn rotes Licht hat weniger Energie als blaues Licht, und blaues Licht weniger Energie als beispielsweise UV-Licht. Vom UV-Licht geht's dann zunächst zum Röntgenlicht und irgendwann später dann zum Gamma-Licht. Gamma-Strahlung ist so ziemlich die härteste Strahlung, die es gibt und wird nur von zerstörerischsten Kräften wie einer Kernwaffe oder eben astrophysikalischen Quellen erzeugt.

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Spektrum des Lichts (Quelle: Wikipedia)

Glücklicherweise stellt die Erdatmosphäre eine relativ gute Abschirmung von Gamma-Strahlung. Praktisch keine der eigentlichen Gamma-Photonen erreichen den Erdboden, sondern werden in der Erdatmosphäre abgeblockt. Das ist gut für uns Menschen, aber schlecht für die Gamma-Astronomie - Daher waren auch viele Gamma-Experimente als Satelliten im Orbit, um das Gamma-Licht aufzunehmen, bevor es von der Erdatmosphäre verschlungen wird (Siehe: Explorer 11, Vela, OSO-3, COS-B, Fermi, ...)
Nun, wenn die Erdatmosphäre so effektiv darin ist, Gamma-Strahlung abzuschirmen, wie kann dann bodengebundene Gammastrahlen-Astronomie überhaupt funktionieren?

Gamma-Schematics
Schematische Darstellung, wie Gammastrahlen-Astronomie funktioniert
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So sieht ein Gamma-Teilchenshower in der Kamera aus

Die Antwort darauf ist Cherenkov-Licht, dasselbe Licht, das auch in den Wassertanks von Kernreaktoren als blaues Licht zu sehen ist. Denn alles was viel Energie hat, und abgebremst wird, hinterlässt Spuren. Und genau nach diesen Spuren halten wir hier Ausschau. Im Vergleich zu Satelliten, welche die Gamma-Strahlung direkt messen können, halten wir mit der bodengebundenen Gamma-Astronomie also nach den charakteristischen Signaturen Ausschau, die ein Gamma-Teilchen in der Erdatmosphäre hinterlässt, wenn es abgebremst wird. Man nennt diese Technik die IACT - Imaging Air Cherenkov Technique, weil wir Aufnahmen von den Lichtblitzen in der Erdatmosphäre machen und daraus dann die physikalischen Parameter des ursprünglichen Gamma-Teilchens berechnen. Diese Berechnung ist alles andere als einfach und mit ein Grund, warum Experimente wie H.E.S.S. erst durch moderne Computerarchitekturen möglich sind. Die Berechnungen finden in modernen Rechenzentren auf hunderten von CPUs statt. Mehr dazu vielleicht in einem etwas späteren Beitrag.

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H.E.S.S. mit seinen vier kleinen Teleskopen, und dem großen Teleskop. Eines der kleinen Teleskope ist verdeckt

H.E.S.S. ist ein riesiges Experiment, das viele Aspekte der Astro- und der Teilchenphysik vereint und nicht ohne einen erheblichen Aufwand von Seiten der Physik und der Technologie möglich wäre. Und es ist auch ein Experiment, das so groß ist, dass nur eine gemeinsame Kollaboration über mehrerer Länder fähig ist, so ein Experiment zu finanzieren, zu verstehen, auszuwerten und zu betreiben.
Und es ist wahrscheinlich auch eines der erfolgreichsten Experimente der Astroteilchenphysik in den letzten Jahren.

Im nächsten Physik-Beitrag werde ich erklären, was passiert, wenn ein hochenergetisches Gamma-Teilchen in die Erdatmosphäre eindringt. Was dann passiert hat den Namen Cosmic- oder Extensive Air shower und ist der Grundbaustein für die gesamte IACT Technik, auf die Teleskope wie H.E.S.S. aufbauen.

Von der H.E.S.S. Site in Namibia,
Phoenix 🙂

DRC: Notfunk nach Erdbeben in Taiwan

Der Dolomites Radio Club hat einen zusammenfassenden, kleinen Artikel über den Notfunk nach dem Erdbeben in Taiwan veröffentlicht:

Der Notfunkverkehr findet auf 7060 kHz und mit geringer Sendeleitung statt. Reservefrequenzen sind 7050 und 3560 kHz. Alle Funkamateure werden gebeten, die genannten Frequenzen frei zu halten.

Am 5. Februar um 19:57 UTC gab es ein Erdbeben der Magnitude 6.4M. Das Ereignis erhielt Orange Warnstufe im GDACS (Global disaster altert control system) der Vereinten Nationen.

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Übersichtskarte. Quelle: GDACS

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Schlangen!!

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Puffotter am Hacken

Argghh!! Cobra!

Wir hatten gestern Nacht insgesamt fünf Schlangen auf der Site entdeckt. Vier ungefährliche Eierschlangen, die wir mit einem Eimer lebend weggebracht und in die Freiheit entlassen haben und eine Cobra. Die Cobra wurde von Albert und mir erledigt und weilt nicht mehr unter uns.

Giftige Schlangen müssen hier auf der Site rigoros eliminiert werden - In freier Wildbahn würde ich eher einen großen Bogen um sie machen, aber hier, an einem Ort an dem Menschen Tag und Nacht arbeiten stellen sie eine echte Bedrohung dar, mit der entsprechend umgegangen werden muss. Bei aller Tierliebe, aber "better you, than me" (Marc 'Animal' McYoung)

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Im Zweifelsfalle: Vorrücken! Die Puffotter in Angriffsstellung

PUFFOTTERRRR!!!

Heute mussten wir noch mit einer Puffotter, eine der gefährlichsten Schlange klarkommen. Die Puffotter ist verdammt gefährlich - Sie ist aggressiv und hat genug Gift, um mehrere ausgewachsene, standhafte Männer umzunieten.
Die meisten Schlangen fliehen eher vor einer Gefahr flüchten, nicht so die Puffotter: Die Devise lautet eher Fight denn Flight.
Wäre ein Kandidat für Badass of the Week, wenn nicht der Honigdachs dem ganzen noch eins drauf geben würde:

In the span of about three minutes this ferocious furry psycho climbs up into a tree to battle a six-foot cobra thirteen feet above the ground, somehow catches and eats a bird, chases off a leopard, and digs some sweet holes, but by far the most incredible aspect of the clip is when the Honey Badger takes on a super-deadly African Puff Adder.  Now, the Puff Adder is one of the most murder-tastic snakes on the entire continent.  One of these vipers possesses enough venom to kill 4 or 5 men, and they are so violent, toxic, and aggressive that they routinely account for more human fatalities than any other African snake.  But the Honey Badger doesn't give a crap – he comes across a puff adder that is eating a rat, and his first instinct is to run up, grab the rat out of the snake's mouth, carry it a few feet away, and then eat the rat right in front of the snake just to show the adder that he's a bitch. After eating the stolen meal, the Badger than decides, "Screw it, now I'm going to eat this damn snake too."  This really takes being an asshole to another level, which is something I can appreciate.  The adder and the Ratel fight, and the Honey Badger kills the viper, but not before being bitten in the face and pumped full of enough venom to kill a creature three times its size.  The Badger succumbs to the poison, falls unconscious, but then – amazingly – somehow comes back to life and continues devouring the already-half-eaten snake. Are you kidding me?

Badass of the Week - Honey badger

Durchführung!

Die Puffotter wurde mit einem Hacken aufgefangen und auf Distanz gehalten, während einige gezielte Schläge mit einem Spaten das Rückgrad gebrochen haben.

Das ist das Ziel, wenn man eine Schlange töten will: Sobald das Rückgrat gebrochen ist, ist die Schlange nicht mehr bewegungsfähig und nur noch begrenzt wehrfähig. Dann kann man ihr mit einem weiteren gezielten Schlag den Kopf abhacken. Vorsicht jedoch, auch der abgetrennte Kopf kann noch für ein paar Minuten durchaus noch eine Bedrohung darstellen!

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Puffotter am Boden. Spaten for Scale

Survival besteht eben auch aus einer Reihe dirty tricks. Es besteht jedoch kein Grund, ein Tier unnötig leiden zu lassen - der gezielte Schlag auf den Kopf stellt den Gnadenstoß dar und bereitet dem ganzen ein humanes Ende.
Zumindest ist das Ende besser, als das hämatotoxische Gift, welches dein Gewebe zerstört und stark nekrotisch wirkt. Entsprechende Google-Bilder will ich hier nicht posten.

Und ich führe ab sofort den Feldspaten am Mann als final line of defense.

Zweiter H.E.S.S. shift report

Eine Woche ist nun vorbei. Wir haben uns hier gut eingelebt - Das Wetter ist recht gut, wenn auch etwas schwül, die Arbeit macht Spass und der Mikrowellenlink für das Internet läuft zur Zeit mehr oder weniger stabil.
Die Residenz wurde vom Max-Planck-Institut nach europäischen Standards gebaut und lässt kaum Wünsche offen. Jeder von uns hat ein Zimmer für sich selbst, wir haben eine gemeinsame recht große Küche und einen angenehmen Aufenthaltsraum mit Tischtennis-Tisch. Sehr cool!

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Zeitvertreib für die tapferen Shifter!

Arbeiten auf der H.E.S.S. Site

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Blick auf eines der kleineren Teleskope

Wir haben zur Zeit noch viele Einweisungen und Einschulungen mit Albert, dem Techniker der permanent auf der Site beschäftigt ist. Die Shift Crews wechseln jeden Monat und Albert schult sie der Reihe nach ein - So macht er das auch mit uns.
Im Idealfall hat die Shift Crew während einer Beobachtungsnacht nur die Ziele zu definieren, die von den einzelnen Instrumente und Computersysteme dann vollautomatisch abgearbeitet werden. Theoretisch. Da das Ganze in der Praxis aber nicht ganz sauber verläuft, müssen wir lernen, wie man auf Störungen und Probleme reagiert. Wie z.B. ein Stromausfall.
Auf der Site sind zwei 60 kVA Diesel-Stromaggregate, die automatisch anspringen, wenn der Strom ausfällt (auch hier: theoretisch zumindest). Und auch die Teleskope müssen im Notfall per Hand eingeparkt werden, damit sie weder nass noch durch die Sonne beschädigt werden können.
Ich glaube die Schichten werden noch einige Überraschungen bereit halten und aufregend werden. Aber dafür sind wir ja hier 🙂

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Blick auf die Milchstrasse. Hinter dem Baum ist das Kreuz des Südens

Die Beobachtungsnächte werden auch immer länger. Wir sind jetzt bei etwa 3h "Dark Time", also das Zeitfenster in der absolute Dunkelheit herrscht. Der Teleskoptyp mit dem wir hier arbeiten (IACT - Imaging Air Cherenkov Telescope) sind so sensitiv, dass sie nur in absoluter Dunkelheit betrieben werden können. Selbst indirektes Licht vom aufgehenden Mond ist ausreichend, um die Teleskope im besten Fall zu stören und in schlimmsten Fall zu zerstören! Ist eben hochsensibles und teures Equipment, mit der hier Spitzenforschung betrieben wird. Ich werde in der nächsten Zeit kurz illustrieren, was wir hier eigentlich machen und wie das Ganze funktioniert. Zur Zeit ist hier alles noch zu neu und aufregend.

Leider ist auch die Wetterlage zur Zeit eher suboptimal. Wir sind in der Regenzeit, und wenn der Himmel nicht klar ist, können wir auch nicht beobachten. Zur Zeit haben wir eine Quote von etwa 30%, sprich wir können etwa 1/3 der Zeit effektiv nutzen. Da wir uns zur Zeit aber auch mehr mit der Kalibration beschäftigten, die auch unter bewölktem Himmel möglich sind, ist der Verlust bis jetzt nicht allzu groß. Denn, wie jedes Instrument müssen auch diese Teleskope zunächst eingestellt werden - Details dazu wenn ich dann schreibe, wie die Teleskope funktionieren.

Gestern Nacht, also in der Nacht von Montag auf Dienstag, war der Himmel so dermaßen bewölkt, dass eine Beobachtung nicht möglich war. Vorgestern hatten wir noch Glück, gestern haben die Wolken den Himmel dicht gemacht. In diesem Falle können wir nichts tun. Da es draußen auch blitzt, sind nicht einmal Kalibrationsruns möglich.

Wir haben ein Radiometer, mit dem der Himmel periodisch abgescannt wird. Das Radiometer bestimmt die optische Opazität und kann daraus eine "Temperatur" ermitteln. Im Grunde funktioniert das ganze so ähnlich wie eine Wärmebildkamera, nur dass nicht Wärme, sondern Wolken angezeigt werden. Dieses Gerät ermöglicht es, einen Überblick über die Wolkenlage auch in Dunkelheit zu kriegen. Ersetzen kann das Radiometer die guten alten menschlichen Augen aber nicht - Ein aufmerksames Auge kann die Wetterlage wesentlich besser abschätzen und auch Vorhersagen machen.

Namibia ist schön.

DSC01760Abgesehen von der eigentlichen Arbeit bietet Namibia jede Menge Spielraum für Entdeckungen. Ich genieße die Zeit hier, denn abgesehen davon, dass eine lästige Grippe von letzter Woche komplett verflogen ist, bietet die Gegend hier jede Menge Flora und Fauna, die es zu erkunden gibt. Bewaffnet mit einer vernünftigen Kamera, Wasserblase und Glock-Klappspaten kann ich so Untertags einige Ausflüge in die Savanne machen.

In der Nacht von Samstag auf Sonntag haben wir zwei Eierschlangen auf der Site entdeckt, die gerade dabei waren, eine Vogelkolonie zu plündern. Ein beherzter Albert und einige Schläge auf den Kopf haben dem Unternehmen "Eierdiebstahl" und auch dem Leben der Schlangen jedoch ein jähes Ende bereitet. Schlangen werden hier rigoros eliminiert. Laut Albert kehren Schlangen immer wieder dahin zurück, wo sie schon einmal waren. Und da sie nicht nur Plagegeister sondern auch eine echte Bedrohung darstellen, müssen sie auch entsprechend behandelt werden.

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Farbenfrohe Insektenwelt

Die Natur ist nicht gut oder böse, sondern eben wie sie ist.

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Eierschlange am Boden. Zwei Eierschlangen haben versucht, eine nahe Vogelkolonie zu plündern

Amateurfunk

DSC01699Namibia ist leider kein CEPT-Land und damit ich mit dem mitgebrachten Handfunkgerät auch aktiv Senden darf, muss ich zunächst eine Gastlizenz vom CRAN (Communications Regulatory Authority of Namibia)  erhalten. Ich hab's leider nicht mehr geschafft, die Anfrage in Europa auszufüllen und abzuschicken und warte deshalb noch auf das OK von den lokalen Behörden. Ich hoffe dass ich diese noch erhalte, bevor die Schicht fertig ist.

Mit dem Gamsberg hätte ich auch schon einen passenden 2m Umsetzter (145.750 MHz Shift +600kHz bei PL-Tone 88.5 Hz) in der Nähe der H.E.S.S. Site gefunden, auf dem ich schon einige Funkgespräche mithören konnte. Aufzeichnen und mithören vom Amateurfunk ist jedem gestattet, nicht nur in Namibia.

Ich hoffe, dass ich baldmöglichst die Gastlizenz erhalte und so bis zum Ende der Shift noch ein paar QSO's mit den lokalen Funkamateuren machen kann 🙂

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