Angekommen - H.E.S.S. shift

Angekommen. Wir haben den 26. Jänner und ich schwitze. Ich sitze in einem akklimatisierten Raum in der Residenz für die H.E.S.S. shift crew. Draußen scheint die Sonne, und es hat angenehme 30 Grad. Wir befinden uns in den Khomas Highlands in Namibia.

Tag 1: Ankunft in Windhoek

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Boeing 747 am Airport Frankfurt

Wir sind am Montag Nachmittag in Windhoek gelandet und haben uns für eine Nacht in der Pension Hotel Steiner niedergelassen. Nach etwa 14h Reise mit einem Interkontinentalflug in der Holzklasse sind wir erstmal erschöpft - Daher verbringen wir die erste Nacht in Windhoek, um am nächsten Tag entspannt und ausgeschlafen zur Schicht zu fahren. Da wir immer Nachts arbeiten werden macht es wenig Sinn, schon in der ersten Nacht komplett übermüdet dort anzufangen und Dinge kaputt zu machen.

Zur Zeit fühlt sich das Ganze noch wie Erholung und Entspannung an - Wir sitzen am Pool und versuchen nicht zu Dehydrieren, während um uns herum Papageie von Baum zu Baum fliegen.

Die Temperatur ist warm aber angenehm - Die Ankunft hat schon mal ohne Probleme hingehauen 🙂

Tag 2: Reise zur Site

Der Tag an dem wir mit unseren Geländewagen der Marke Isuzu über Kiesstraßen zum eigentlichen Teleskop brettern.
Das Ding ist der Hammer auf Kies - Hoher Bodenabstand, Allrad und wirkt wie ein großer Jeep. Blöd nur, dass in Namibia alle auf der falschen Seite fahren 🙂 Hier herrscht Linksverkehr, ein Überbleibsel auf der Kolonialherrschaftszeit der Briten.

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"Die fahren hier alle auf der falschen Strassenseite!"

Bevor wir von Windhoek aus Richtung Südwesten, in die Khomas Highlands aufbrechen, heißt es noch Nahrungsmittel und Verbrauchsartikel für etwa 1 Woche einkaufen. Die Shift Crew muss sich auf der Site selbst versorgen, und da der nächste Supermarkt etwa 2h mit dem Geländewagen entfernt liegt, ist es besser, nichts zu vergessen. Zwar können wir jederzeit wieder nach Windhoek fahren, aber bei Linksverkehr auf Kiesstrassen in der Hitze der Wüste schnell mal Milch holen fahren macht wenig Spass.

Wir sind alle wohl auf, und haben in der Residenz für die Shift Crew erstmal Stellung bezogen. Gleich geht's damit los, die Instrumente und das Teleskop kennen zu lernen. Ich freu mich schon auf die ersten Runs, die Teleskope ein- und wieder auszuparken und auf Alberts berühmtes BBQ, das uns auch noch im Laufe der nächsten Woche erwartet.

Es geht uns allen gut, Stimmung ist hoch.

First runs

Sicherheitseinweisung und Einschulung am Nachmittag auf der eigentlichen Site. Die Instrumente sind RIESIG. Ich meine, die verdammte Kamera selbst ist etwas mehr als 2m hoch. Und das ist nur die Kamera! Die Kamera vom Zentralteleskop CT5 ist die größte von allen und hat 1200 Pixel. Ist im Verlgeich zu den 20+ Megapixel einer herkömmlichen Kamera nicht viel, aber die Pixel haben's in sich. Wir detektieren hier einzelne Photonen, sprich die Empfindlichkeit ist auch um einige Größenordnungen besser als bei einer normalen Kamera.

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Das ist die Kamera von einem der Teleskope. 1,2 Kilopixel, mit der Sensitivität, dass eine Kerze am Boden das Ding hoffnungslos Überbelichten würde

Hehe, wer glaubt die Kamera sei groß, der darf sich auf das nächste Bild freuen. Ich stehe hier irgendwo am Sockel. Ganz klein ganz unten. Das sind die Dimensionen, mit denen wir die aktuelle Gamma-Astronomie betreiben. Ich finde das Ganze unglaublich faszinierend, denn H.E.S.S. hat die Größe eines Experiments, das selbst für ganze Staaten zu groß ist und nur durch internationale Zusammenarbeit und durch die Finanzierung mehrerer Staaten ermöglicht wird. Astrophysik bringt die Menschen näher zusammen.

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Zentralteleskop CT5. Felix (am Sockel) for scale, because banana too small

Neben dem Zentralteleskop CT5 gibt es noch die etwas kleineren Teleskope CT1-CT4- Insgesamt stehen also fünf Teleskope bereit, um Spektren im Hochenergiebereich aufzunehmen.

Tag 3: Die erste Hälfte

Gestern Nacht hatten wir die ersten Runs.
Die Schichten werden so eingeteilt, dass die ersten Nächste am wenigsten Beobachtungszeit zur Verfügung steht, da der Mond sehr früh aufgeht.
Mit H.E.S.S. kann nur in absoluter Dunkelheit beobachtet werden. Sobald der Mond aufgeht müssen wir das Teleskop wieder einparken und das war's für die Nacht. Da die Shift Crew die ersten Nächste sich erst mit den Instrument vertraut machen muss, ist es daher strategisch klug, die wirklich langen, dunklen Nächte erst am Ende der Schicht zu haben, wenn sich schon sowas wie Routine eingestellt hat. Momentan ist alles daher noch sehr entspannt.

Ich habe den heutigen Vormittag dazu benutzt, das Umland zu erkunden und ein paar Fotos zu machen. Dafür dass wir hier eigentlich inmitten einer Einöde sind, ist zur Zeit erstaunlich viel Grün. Gelobt sei die Regenzeit!

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Ich werde die nächsten Tage wahrscheinlich nicht zum Schreiben kommen, nächstes Update daher wahrscheinlich nächste Woche, wenn es regnet.

Reise nach Namibia

Ich fliege heute Abend nach Namibia. Als Teil des H.E.S.S.-Experiments darf ich dort für etwa 1 Monat am Teleskop herumwerkeln 🙂

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H.E.S.S. mit CT5 (dem großen Teleskop in der Mitte) - Quelle: H.E.S.S. Web presence

HESS ist ein Experiment eines sogenannten Imaging Air-Cherenkov Teleskop, welches die Lichtblitze in der Atmosphäre beobachtet, die von Gamma-Teilchen erzeugt werden. Gamma Strahlung ist hochenergetische elektromagnetische Strahlung, die nur von sehr energiereichen Objekten in der Galaxie erzeugt wird (Und von nuklearen Sprengkörpern, was auch letztens zur Entdeckung der astronomischen Gamma-Strahlung durch die VELA Satelliten geführt hat).

Ich freue mich schon auf Namibia, und hoffe, dass der Internet-Uplink nicht zu rottig ist, dass ich hier den einen oder anderen Beitrag schreiben und einige Fotos mit euch teilen kann. In der Regenzeit kann es schon mal vorkommen, das der Mikrowellen-Link für einige Zeit down ist.

Stay in touch and stay safe,
Phoenix 🙂

Pluto!

Meine Damen und Herren,

darf ich vorstellen? Pluto!

Pluto!
Pluto! (Von http://apod.it/150715)

Pluto!

Kleiner, schüchterner Pluto
Kleiner, schüchterner Pluto

Pluto ist ein etwas schüchterner (weil kleiner) Zwergplanet ganz am Rande unseres Sonnensystems. Er hält sich nicht gerne in Gesellschaft auf, hat aber seine treuen fünf Monde, die ihn immer zur Seite stehen. Heute morgen hat sich Pluto erstmals ins Lichte der Öffentlichkeit gestellt, als eine kleine unscheinbare Raumsonde an ihm vorbeigeflogen ist. In diesem kurzen Moment der Zusammenkunft konnte Pluto seine Schüchternheit erstmals überwinden und präsentiert sich nun der Öffentlichkeit. Und das zurecht! Mit seiner etwas kugeligen Form mag er auf den ersten Blickt zwar wie ein ganz normaler (Zwerg)planet erscheinen, die Krater an der südlichen Hemisphäre verleihen ihm jedoch einen gewissen Charme und sind unverkennbar.
Ob er nun ins Zentrum des Sonnensystems treten wird oder sich weiterhin am Rande bewegen wird ist noch unklar und wird sich erst in den kommenden Tagen zeigen.

Leichtes Unterfangen war es wahrlich nicht, Pluto aus seiner Reserve zu locken. Wer schon einmal ein Foto aus einem fahrenden Auto gemacht hat, weiß wie verwackelt das werden kann. Und das ganze aus einer Raumsonde, aus dem Jahre 2006 gestartet ist (damals gab es noch nicht einmal ein iPhone) und nach 10 Jahren mit Zwischenstopp bei Onkel Jupiter mit stolzen 14 km/s an unserem Mauerblümchen vorbei-saust ist wahrlich eine Meisterleistung. Wer weiß? Vielleicht hat Pluto ja die lange Reise und die Strapazen ein bisschen imponiert und ist deshalb aus seinem Versteck gekommen.

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Fotos eines fahrenden Autos bei 14 km/s. Quelle: http://www.yunphoto.net/de/photobase/hr/hr973.html

Fact am Ende: Die Bilder werden mit einer Übertragungsrate von etwa 1 kB/s übertragen. Bei so einer Übetragungsrate wäre ich auch sauer und würde mich verziehen und ganz klein werden ...

Photo: NewHorizons, NASA
http://apod.nasa.gov/apod/ap150715.html

 

(Der Post entspricht NICHT unbedingt zu 100% der physikalischen Realität! Manchmal schwafle ich einfach nur Unsinn 😉 )

Exact Riemann Solver

Astro-Tools hat ein neues Tool erhalten: qt-ExactRiemann.

Es ist eine C++ Implementierung eines Exakten Riemann Solvers mit eingebauter Plot-Funktion.

qt-ExactRiemann in Aktion
qt-ExactRiemann in Aktion

Hier ist ein Zip-File mit kompilierten Program (Linux-x64) und Source code.

Empfohlen wird jedoch, sich an das GitHub-Repository zu halten, um auch laufend Aktualisierungen mit einzuspielen.

 

BlackBody spectrum generator

Ich habe ein kleines Tool zum Erstellen von Schwarkörper-Spektren erstellt. Das Tool inklusive Binary (zur Zeit nur x64) ist auf GitHub.

Screenshot vom Tool
Screenshot vom Tool

Es kann gleich mehrerer Graphen in einem Plot darstellen.

Beispielspektrum
Beispielspektrum

Geschrieben in Qt4, mit QCustomPlot, eine sehr praktisches Widget im Übrigen, das ich nur empfehlen kann!
Das vorkompilierte Binary ist für Linux 64 gemacht. Noch sind keine weiteren Binaries verfügbar.

English version

I have written a small tool to create custom blackbody spectra using Planck's law.

The tool (Qt4 using QCustomPlot)is available on GitHub. Binaries for Linux (x64) also included on GitHub.

Planck function snippet

The following C++ snipped implements the Planck function. It has found it's way to this blog because of I want to archive it

Have phun!

GitHub: Astro-tools-Repo erstellt

Ich habe soeben auf GitHub ein neues Repository eröffnet: Astro-Tools. Auch auf dem Blog habe ich unter 'Kleinprojekte' eine kleine Seite dazu verfasst.
Aktuell umfasst das Repo nur das Program 'redshift'. Es soll mir helfen, meine zukünftigen Tools auf allen meinen Rechnern aktuell zu halten.

Screenshot von GitHub
Screenshot von GitHub

Als Lizenz habe ich die GPLv3 gewählt. Da das Repo aber lediglich academical/educational purposes dient (Sorry for the English :-p), ist mir die lizenzierung in diesem Fall nicht so wichtig.

Zudem wurde das Program 'redshift' verbessert: Es finden sich nun einige Kommentare mehr drinnen(eben educational) und die Hubble-Konstante wurde auf den Stand von 21. März 2013 gesetzt:

Download

Am einfachsten geht das mit einem git clone in das Verzeichnis, wohin astro-tools kopiert werden soll. Beispiel:

cd ~/git
git clone https://github.com/grisu48/astro-tools.git

Fertig! 🙂

Redshift program

Ich habe ein kleines Programm in C++ geschrieben, mit dem der kosmologische Redshift berechnet werden kann. Das Programm findet ihr hier und kann (unter Linux) mit dem folgenden Befehl ganz einfach kompiliert werden:

g++ -Wall -Werror -pedantic -O3 redshift.cpp -o redshift

Das Programm hat des Weiteren Einzug im (neuen) Feldspaten-Repo gefunden.

Redshift-Programm in Action
Redshift-Programm in Action

 Hintergrund

Der kosmologische Redshift in ein Maß für die Distanz eines Objektes und benutzt dazu die Beobachtungen von Hubble. Hubble stellte fest, dass sich weit entfernte Objekte schneller von uns weg bewegen als nahe Objekte. Interessant dabei ist, dass der Raum isometrisch beschleunigt wird, sprich, die Expansion des Universiums ist überall gleich.

Zusammengefasst lässt sich dieser Sachverhalt in Hubble's law festhalten:


Der Redshift z lässt sich wie folgt darstellen:


Zusammengefasst also

Eine simple Ein- und Ausgabe dieses Sachverhalts mit mehereren Eingabemöglichkeiten für die Distanz (m, ly, pc oder Mpc) ist im Programm beinhaltet.

Tool des Tages: Detexify

Tool des Tages ist detexify.

Detexify ist ein handliches Tool, das euer Gekritzle gegn LaTeX-Ausdrücke parst. Einfacher ausgedrückt: Du weisst nicht mehr wie man ein bestimmten Symbol in LaTeX schreibt? Kritzle es hin, und detexify sucht nach bekannten Ausdrücken.

IMHO ein sehr cooles Tool für alle die mehr mit LaTeX zu tun haben - Am besten gleich allen Freunden mailen. 😉

Link: http://detexify.kirelabs.org/classify.html