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Ich bin wieder zuhause.

Ein Monat ist vorbei und unsere Schicht geht damit zu Ende. Im Gegensatz zur Nachtwache endet unsere Schicht nämlich mit dem nächsten Vollmond und nicht im Kampf gegen White Walker.

Ich kehre zurück mit einem Sack voller Erlebnisse und einer Lebenserfahrung, die ich nicht missen wollen würde. Ich habe ein Monat in der Savanne, mitten im Nirgendwo eine Regenzeit durchlebt, in der es nur einmal leicht geregnet hat. Ich habe Sand gesehen, viel Sand, Affen gejagt, 'ne verdammte Cobra erledigt, eine Puffotter gesehen, Teleskope ausgeparkt und wieder eingeparkt, Beobachtungen durchgeführt, Sachen repariert, meinen kompletten Schlaf- Wachrythmus umgestellt und vieles mehr.

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Hey du kleiner Racker! Erdmännchen bei seinem Bau

Eines der Highlight des Schicht war Albert's weltberühmtes BBQ. Der Grillmeister hat es soweit geschafft, dass er einer der Gesprächspunkte beim Paris-Meeting von H.E.S.S. war. Zurecht! Wer so Grillen kann, braucht sich nicht zu verstecken. Ehre wem Ehre Gebührt – und die Ehre als Grillmeister der Savanne gebührt dir!

Die Beobachtungen liefen ganz gut, soweit überhaupt möglich. Viele Nächte konnten wir gar nicht oder nur eingeschränkt Beobachtungen durchführen, da der Wettergott in dieser Zeit die Savanne mit zahlreichen Wolken segnet.

Ein weiteres Highlight war für mich der Blick auf einen klaren, wunderschönen und etwas anderen Sternenhimmel. Auf der Site gab es praktisch keine Lichtverschmutzung – Ich habe noch nie einen volleren Sternenhimmel gesehen oder eine so klare Milchstraße. Die Vielfalt an Sterne und die Klarheit des Nachthimmels haben mehr als nur einmal ein klares „Wow“ über meine Lippen gebracht. Ich kann mir gut vorstellen, dass unsere Vorfahren dieselbe Ehrfurcht verspürt haben, wie meine gierigen Augen, die jeden Zentimeter des Himmels sorgsam untersucht haben. Ernsthaft Leute, nehmt euch hin und wieder mal eine Nacht Zeit, packt euch einen Schlafsack und geht auf irgendeinen Berg oder einen Fleck weg von den Städten. Dann hebt den Kopf und lasst euch von einer Schönheit packen, das nur das Licht von zig-Milliarden Sternen erzeugen kann, deren Licht unvorstellbare Entfernungen gereist ist, um in diesem Augenblick von euren Augen verschlungen zu werden – Der ganze Kosmos breitet sich vor euren Augen aus. Herrlich!

Das ist einer der Eindrücke, die ich dankbar nach Hause bringen darf. Der Blick auf den Sternenhimmel von der Südhalbkugel aus ist spannend – Ich konnte zum Ersten mal das Kreuz des Südens sehen, eine sehr markante Konstellation am Nachthimmel, die den Seefahrern einen Anhaltspunkt gibt, wo Süden ist.

Orion steht übrigens auf dem Kopf, zumindest so wie wir Nord das gewohnt sind.

Und nun ist meine Schicht an unserem schönen Teleskop zu Ende. Ich freue mich schon darauf, wieder bekannte Gesichter zu sehen und meine Freunde mit den Heldengeschichten „Felix, der Erklimmer des Affenhügels“ und „Felix mit Spaten, der Schrecken der Cobra“ zu nerven. Jep Leute, da müsst ihr leider durch :-p

War eine spannende Zeit und ein Stück Lebenserfahrung, auf die ich sicherlich für den Rest meines Lebens mit einem Lächeln zurückblicken kann. Und vielleicht nochmal die Chance kriege, ein Monat hier zu verbringen - ansonsten halt an einem anderen spannenden Ort.

Ich bin dankbar, dass meine Doktorarbeit mir auch solche Gelegenheiten bietet, denn immer nur im finsteren Stübchen zu hocken ohne einen Bezug zur Praxis macht keinen Spaß und lässt einen solche Gelegenheiten verpassen, die einen Menschen erst prägen. Praxiserfahrung ist halt etwas, was man nur erlangen kann, wenn man hin und wieder seinen Allerwertesten in die Welt da draußen bringt. Und wer weiß … Vielleicht passiert es ja auch, dass man Spaß daran findet 🙂

Diesen Beitrag habe in an meinem letzten Abend hier in Namibia geschrieben – Ich öffne ein Windhoek Draught und trinke auf den Moment und die Erlebnisse des letzten Monats.

Life is good 🙂

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Impro-Waffeln nach Felix' Art

Sonntag, 16:00 Uhr in Namibia. Der Kaffee steht dampfend am Tisch, die Aussicht ist herrlich.
Und es ist kein Kuchen da, um gegessen zu werden.

Waffels - "Use what you have left"-Style!

Time to make delicious waffels.
Nur eben nicht nach altbewährtem Rezept, sondern mit den Zutaten, die noch da sind. Im Zweifelsfalle, improvisiere was das Zeug hält!

Zutaten

  • 250g Mehl (Weißmehl gemischt mit irgendwas komischem, wo schon Backpulver drinnen ist)
  • 100g Butter (8 g Butter und der Rest irgend ein gesalzenes Butter-Ersatz-Zeugs, das noch da war)
  • 50g Jogurt (wir hatten keine Sahne mehr)
  • 125g Zucker
  • 4 Eier
  • 2 Päckchen Vanillezucker (die ich eigentlich für Buchteln oder sowas gekauft hatte)
  • etwa 200ml Milch (aus einer komischen grünen Packung)
  • 1 Prise Salz (Iodiert mit eine Haltbarkeit von 2 Jahren)

Durchführung nach Felix' Art

Eier trennen, und das Eiweiß steif schlagen. Dazu zunächst einen Rührer nehmen, herausfinden, dass das Teil nur Knetaufsätze hat, den Rührer verfluchen, und dann den zweiten Mixer verwenden, der auch "normale Aufsätze" hat.
Die emotionale Komponente nach der Wahl der Mixer ist dabei essentiell, denn diese bestimmt auch die Geschwindigkeit, mit der der Teig gerührt wird. Wichtig!

Noch etwas grantig, werden nun alle Zutaten mit unnötig hohem Elan in eine Schüssel gemischt und dort unter Einsatz diverser Drohgesten verrührt. Der Teig muss immerhin spüren, wer hier der Chef ist. Klare Fronten schaffen, von Anfang an!

Nachdem nun alles verrührt ist, mischt man noch das beinahe vergessene Salz bei. Dabei ist es unerlässlich, dass mindestens genauso viel Salz neben der Schüssel, wie in der Schüssel landet. Das baut eine Sicherheitszone gegen Ameisen und anderes Ungeziefer, wie z.B. naschende Mitarbeiter auf.

Nun wird ein Waffeleisen herangeschafft. Da es ein mir neues Gerät ist, und keine Bedienungsanleitung da ist (die auch wahrscheinlich niemand gelesen hätte) werden die ersten Waffeln erstmal so richtig versaut. Also so richtig! Am Besten gelingt das damit, dass man die Temperatur ganz nach unten dreht, und die Waffeln so überproportional lange im Waffeleisen lässt. Die dadurch entstehende Verkrustung und irreversible Verbindung von Teig und Waffeleisen schaffen zusätzlichen Respekt beim verbleibenden Teig und die künftigen Waffeln werden es nicht wagen, nochmals zu verkleben. Zumindest nicht nachdem sie gesehen haben, wie die erste Ration grausamst aus dem Eisen gekratzt wurde, und nur Stücke von der Größe < 1cm übrig blieben. Hier gilt die Einschüchterungstaktik! Weiteren Waffeln dürfen gar nicht mehr erst dran denken zu verkleben.

Die entstandenen Waffeln werden nun in Reih' und Glied am Tisch ausgelegt. Wer aus der Reihe tanzt, wird sofort und ohne Umwege verputzt. Selbiges gilt auch für besonders schmackhafte Exemplare. Der verbleibende Rest an gut ausgebildeten Einheitswaffeln wird noch in eine Tupper-Ware einquartiert, und wartet auf den Einsatzbefehl. Der kann dann auch in der Nacht ankommen, als Support für eine angeschlagene Shift-Truppe am Teleskop ("Sugar-Support needed. NOW!")

Fazit

Waffeln machen nach Rezept ist was für Weicheier. Alles was zählt ist ein entsprechender emotionaler Zustand und den Teig von Anfang an zu zeigen, wer hier der Chef ist. Manchmal bist du der Rüher, und manchmal bist du eben das Ei. So ist das.

 

 

Die Waffeln haben übrigens sehr gut geschmeckt - Und nehmt nicht alles was da oben steht zu ernst 😉

Mampf!

Neue Bilder

Schlangen!!

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Puffotter am Hacken

Argghh!! Cobra!

Wir hatten gestern Nacht insgesamt fünf Schlangen auf der Site entdeckt. Vier ungefährliche Eierschlangen, die wir mit einem Eimer lebend weggebracht und in die Freiheit entlassen haben und eine Cobra. Die Cobra wurde von Albert und mir erledigt und weilt nicht mehr unter uns.

Giftige Schlangen müssen hier auf der Site rigoros eliminiert werden - In freier Wildbahn würde ich eher einen großen Bogen um sie machen, aber hier, an einem Ort an dem Menschen Tag und Nacht arbeiten stellen sie eine echte Bedrohung dar, mit der entsprechend umgegangen werden muss. Bei aller Tierliebe, aber "better you, than me" (Marc 'Animal' McYoung)

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Im Zweifelsfalle: Vorrücken! Die Puffotter in Angriffsstellung

PUFFOTTERRRR!!!

Heute mussten wir noch mit einer Puffotter, eine der gefährlichsten Schlange klarkommen. Die Puffotter ist verdammt gefährlich - Sie ist aggressiv und hat genug Gift, um mehrere ausgewachsene, standhafte Männer umzunieten.
Die meisten Schlangen fliehen eher vor einer Gefahr flüchten, nicht so die Puffotter: Die Devise lautet eher Fight denn Flight.
Wäre ein Kandidat für Badass of the Week, wenn nicht der Honigdachs dem ganzen noch eins drauf geben würde:

In the span of about three minutes this ferocious furry psycho climbs up into a tree to battle a six-foot cobra thirteen feet above the ground, somehow catches and eats a bird, chases off a leopard, and digs some sweet holes, but by far the most incredible aspect of the clip is when the Honey Badger takes on a super-deadly African Puff Adder.  Now, the Puff Adder is one of the most murder-tastic snakes on the entire continent.  One of these vipers possesses enough venom to kill 4 or 5 men, and they are so violent, toxic, and aggressive that they routinely account for more human fatalities than any other African snake.  But the Honey Badger doesn't give a crap – he comes across a puff adder that is eating a rat, and his first instinct is to run up, grab the rat out of the snake's mouth, carry it a few feet away, and then eat the rat right in front of the snake just to show the adder that he's a bitch. After eating the stolen meal, the Badger than decides, "Screw it, now I'm going to eat this damn snake too."  This really takes being an asshole to another level, which is something I can appreciate.  The adder and the Ratel fight, and the Honey Badger kills the viper, but not before being bitten in the face and pumped full of enough venom to kill a creature three times its size.  The Badger succumbs to the poison, falls unconscious, but then – amazingly – somehow comes back to life and continues devouring the already-half-eaten snake. Are you kidding me?

Badass of the Week - Honey badger

Durchführung!

Die Puffotter wurde mit einem Hacken aufgefangen und auf Distanz gehalten, während einige gezielte Schläge mit einem Spaten das Rückgrad gebrochen haben.

Das ist das Ziel, wenn man eine Schlange töten will: Sobald das Rückgrat gebrochen ist, ist die Schlange nicht mehr bewegungsfähig und nur noch begrenzt wehrfähig. Dann kann man ihr mit einem weiteren gezielten Schlag den Kopf abhacken. Vorsicht jedoch, auch der abgetrennte Kopf kann noch für ein paar Minuten durchaus noch eine Bedrohung darstellen!

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Puffotter am Boden. Spaten for Scale

Survival besteht eben auch aus einer Reihe dirty tricks. Es besteht jedoch kein Grund, ein Tier unnötig leiden zu lassen - der gezielte Schlag auf den Kopf stellt den Gnadenstoß dar und bereitet dem ganzen ein humanes Ende.
Zumindest ist das Ende besser, als das hämatotoxische Gift, welches dein Gewebe zerstört und stark nekrotisch wirkt. Entsprechende Google-Bilder will ich hier nicht posten.

Und ich führe ab sofort den Feldspaten am Mann als final line of defense.

Zweiter H.E.S.S. shift report

Eine Woche ist nun vorbei. Wir haben uns hier gut eingelebt - Das Wetter ist recht gut, wenn auch etwas schwül, die Arbeit macht Spass und der Mikrowellenlink für das Internet läuft zur Zeit mehr oder weniger stabil.
Die Residenz wurde vom Max-Planck-Institut nach europäischen Standards gebaut und lässt kaum Wünsche offen. Jeder von uns hat ein Zimmer für sich selbst, wir haben eine gemeinsame recht große Küche und einen angenehmen Aufenthaltsraum mit Tischtennis-Tisch. Sehr cool!

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Zeitvertreib für die tapferen Shifter!

Arbeiten auf der H.E.S.S. Site

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Blick auf eines der kleineren Teleskope

Wir haben zur Zeit noch viele Einweisungen und Einschulungen mit Albert, dem Techniker der permanent auf der Site beschäftigt ist. Die Shift Crews wechseln jeden Monat und Albert schult sie der Reihe nach ein - So macht er das auch mit uns.
Im Idealfall hat die Shift Crew während einer Beobachtungsnacht nur die Ziele zu definieren, die von den einzelnen Instrumente und Computersysteme dann vollautomatisch abgearbeitet werden. Theoretisch. Da das Ganze in der Praxis aber nicht ganz sauber verläuft, müssen wir lernen, wie man auf Störungen und Probleme reagiert. Wie z.B. ein Stromausfall.
Auf der Site sind zwei 60 kVA Diesel-Stromaggregate, die automatisch anspringen, wenn der Strom ausfällt (auch hier: theoretisch zumindest). Und auch die Teleskope müssen im Notfall per Hand eingeparkt werden, damit sie weder nass noch durch die Sonne beschädigt werden können.
Ich glaube die Schichten werden noch einige Überraschungen bereit halten und aufregend werden. Aber dafür sind wir ja hier 🙂

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Blick auf die Milchstrasse. Hinter dem Baum ist das Kreuz des Südens

Die Beobachtungsnächte werden auch immer länger. Wir sind jetzt bei etwa 3h "Dark Time", also das Zeitfenster in der absolute Dunkelheit herrscht. Der Teleskoptyp mit dem wir hier arbeiten (IACT - Imaging Air Cherenkov Telescope) sind so sensitiv, dass sie nur in absoluter Dunkelheit betrieben werden können. Selbst indirektes Licht vom aufgehenden Mond ist ausreichend, um die Teleskope im besten Fall zu stören und in schlimmsten Fall zu zerstören! Ist eben hochsensibles und teures Equipment, mit der hier Spitzenforschung betrieben wird. Ich werde in der nächsten Zeit kurz illustrieren, was wir hier eigentlich machen und wie das Ganze funktioniert. Zur Zeit ist hier alles noch zu neu und aufregend.

Leider ist auch die Wetterlage zur Zeit eher suboptimal. Wir sind in der Regenzeit, und wenn der Himmel nicht klar ist, können wir auch nicht beobachten. Zur Zeit haben wir eine Quote von etwa 30%, sprich wir können etwa 1/3 der Zeit effektiv nutzen. Da wir uns zur Zeit aber auch mehr mit der Kalibration beschäftigten, die auch unter bewölktem Himmel möglich sind, ist der Verlust bis jetzt nicht allzu groß. Denn, wie jedes Instrument müssen auch diese Teleskope zunächst eingestellt werden - Details dazu wenn ich dann schreibe, wie die Teleskope funktionieren.

Gestern Nacht, also in der Nacht von Montag auf Dienstag, war der Himmel so dermaßen bewölkt, dass eine Beobachtung nicht möglich war. Vorgestern hatten wir noch Glück, gestern haben die Wolken den Himmel dicht gemacht. In diesem Falle können wir nichts tun. Da es draußen auch blitzt, sind nicht einmal Kalibrationsruns möglich.

Wir haben ein Radiometer, mit dem der Himmel periodisch abgescannt wird. Das Radiometer bestimmt die optische Opazität und kann daraus eine "Temperatur" ermitteln. Im Grunde funktioniert das ganze so ähnlich wie eine Wärmebildkamera, nur dass nicht Wärme, sondern Wolken angezeigt werden. Dieses Gerät ermöglicht es, einen Überblick über die Wolkenlage auch in Dunkelheit zu kriegen. Ersetzen kann das Radiometer die guten alten menschlichen Augen aber nicht - Ein aufmerksames Auge kann die Wetterlage wesentlich besser abschätzen und auch Vorhersagen machen.

Namibia ist schön.

DSC01760Abgesehen von der eigentlichen Arbeit bietet Namibia jede Menge Spielraum für Entdeckungen. Ich genieße die Zeit hier, denn abgesehen davon, dass eine lästige Grippe von letzter Woche komplett verflogen ist, bietet die Gegend hier jede Menge Flora und Fauna, die es zu erkunden gibt. Bewaffnet mit einer vernünftigen Kamera, Wasserblase und Glock-Klappspaten kann ich so Untertags einige Ausflüge in die Savanne machen.

In der Nacht von Samstag auf Sonntag haben wir zwei Eierschlangen auf der Site entdeckt, die gerade dabei waren, eine Vogelkolonie zu plündern. Ein beherzter Albert und einige Schläge auf den Kopf haben dem Unternehmen "Eierdiebstahl" und auch dem Leben der Schlangen jedoch ein jähes Ende bereitet. Schlangen werden hier rigoros eliminiert. Laut Albert kehren Schlangen immer wieder dahin zurück, wo sie schon einmal waren. Und da sie nicht nur Plagegeister sondern auch eine echte Bedrohung darstellen, müssen sie auch entsprechend behandelt werden.

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Farbenfrohe Insektenwelt

Die Natur ist nicht gut oder böse, sondern eben wie sie ist.

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Eierschlange am Boden. Zwei Eierschlangen haben versucht, eine nahe Vogelkolonie zu plündern

Amateurfunk

DSC01699Namibia ist leider kein CEPT-Land und damit ich mit dem mitgebrachten Handfunkgerät auch aktiv Senden darf, muss ich zunächst eine Gastlizenz vom CRAN (Communications Regulatory Authority of Namibia)  erhalten. Ich hab's leider nicht mehr geschafft, die Anfrage in Europa auszufüllen und abzuschicken und warte deshalb noch auf das OK von den lokalen Behörden. Ich hoffe dass ich diese noch erhalte, bevor die Schicht fertig ist.

Mit dem Gamsberg hätte ich auch schon einen passenden 2m Umsetzter (145.750 MHz Shift +600kHz bei PL-Tone 88.5 Hz) in der Nähe der H.E.S.S. Site gefunden, auf dem ich schon einige Funkgespräche mithören konnte. Aufzeichnen und mithören vom Amateurfunk ist jedem gestattet, nicht nur in Namibia.

Ich hoffe, dass ich baldmöglichst die Gastlizenz erhalte und so bis zum Ende der Shift noch ein paar QSO's mit den lokalen Funkamateuren machen kann 🙂

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Angekommen - H.E.S.S. shift

Angekommen. Wir haben den 26. Jänner und ich schwitze. Ich sitze in einem akklimatisierten Raum in der Residenz für die H.E.S.S. shift crew. Draußen scheint die Sonne, und es hat angenehme 30 Grad. Wir befinden uns in den Khomas Highlands in Namibia.

Tag 1: Ankunft in Windhoek

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Boeing 747 am Airport Frankfurt

Wir sind am Montag Nachmittag in Windhoek gelandet und haben uns für eine Nacht in der Pension Hotel Steiner niedergelassen. Nach etwa 14h Reise mit einem Interkontinentalflug in der Holzklasse sind wir erstmal erschöpft - Daher verbringen wir die erste Nacht in Windhoek, um am nächsten Tag entspannt und ausgeschlafen zur Schicht zu fahren. Da wir immer Nachts arbeiten werden macht es wenig Sinn, schon in der ersten Nacht komplett übermüdet dort anzufangen und Dinge kaputt zu machen.

Zur Zeit fühlt sich das Ganze noch wie Erholung und Entspannung an - Wir sitzen am Pool und versuchen nicht zu Dehydrieren, während um uns herum Papageie von Baum zu Baum fliegen.

Die Temperatur ist warm aber angenehm - Die Ankunft hat schon mal ohne Probleme hingehauen 🙂

Tag 2: Reise zur Site

Der Tag an dem wir mit unseren Geländewagen der Marke Isuzu über Kiesstraßen zum eigentlichen Teleskop brettern.
Das Ding ist der Hammer auf Kies - Hoher Bodenabstand, Allrad und wirkt wie ein großer Jeep. Blöd nur, dass in Namibia alle auf der falschen Seite fahren 🙂 Hier herrscht Linksverkehr, ein Überbleibsel auf der Kolonialherrschaftszeit der Briten.

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"Die fahren hier alle auf der falschen Strassenseite!"

Bevor wir von Windhoek aus Richtung Südwesten, in die Khomas Highlands aufbrechen, heißt es noch Nahrungsmittel und Verbrauchsartikel für etwa 1 Woche einkaufen. Die Shift Crew muss sich auf der Site selbst versorgen, und da der nächste Supermarkt etwa 2h mit dem Geländewagen entfernt liegt, ist es besser, nichts zu vergessen. Zwar können wir jederzeit wieder nach Windhoek fahren, aber bei Linksverkehr auf Kiesstrassen in der Hitze der Wüste schnell mal Milch holen fahren macht wenig Spass.

Wir sind alle wohl auf, und haben in der Residenz für die Shift Crew erstmal Stellung bezogen. Gleich geht's damit los, die Instrumente und das Teleskop kennen zu lernen. Ich freu mich schon auf die ersten Runs, die Teleskope ein- und wieder auszuparken und auf Alberts berühmtes BBQ, das uns auch noch im Laufe der nächsten Woche erwartet.

Es geht uns allen gut, Stimmung ist hoch.

First runs

Sicherheitseinweisung und Einschulung am Nachmittag auf der eigentlichen Site. Die Instrumente sind RIESIG. Ich meine, die verdammte Kamera selbst ist etwas mehr als 2m hoch. Und das ist nur die Kamera! Die Kamera vom Zentralteleskop CT5 ist die größte von allen und hat 1200 Pixel. Ist im Verlgeich zu den 20+ Megapixel einer herkömmlichen Kamera nicht viel, aber die Pixel haben's in sich. Wir detektieren hier einzelne Photonen, sprich die Empfindlichkeit ist auch um einige Größenordnungen besser als bei einer normalen Kamera.

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Das ist die Kamera von einem der Teleskope. 1,2 Kilopixel, mit der Sensitivität, dass eine Kerze am Boden das Ding hoffnungslos Überbelichten würde

Hehe, wer glaubt die Kamera sei groß, der darf sich auf das nächste Bild freuen. Ich stehe hier irgendwo am Sockel. Ganz klein ganz unten. Das sind die Dimensionen, mit denen wir die aktuelle Gamma-Astronomie betreiben. Ich finde das Ganze unglaublich faszinierend, denn H.E.S.S. hat die Größe eines Experiments, das selbst für ganze Staaten zu groß ist und nur durch internationale Zusammenarbeit und durch die Finanzierung mehrerer Staaten ermöglicht wird. Astrophysik bringt die Menschen näher zusammen.

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Zentralteleskop CT5. Felix (am Sockel) for scale, because banana too small

Neben dem Zentralteleskop CT5 gibt es noch die etwas kleineren Teleskope CT1-CT4- Insgesamt stehen also fünf Teleskope bereit, um Spektren im Hochenergiebereich aufzunehmen.

Tag 3: Die erste Hälfte

Gestern Nacht hatten wir die ersten Runs.
Die Schichten werden so eingeteilt, dass die ersten Nächste am wenigsten Beobachtungszeit zur Verfügung steht, da der Mond sehr früh aufgeht.
Mit H.E.S.S. kann nur in absoluter Dunkelheit beobachtet werden. Sobald der Mond aufgeht müssen wir das Teleskop wieder einparken und das war's für die Nacht. Da die Shift Crew die ersten Nächste sich erst mit den Instrument vertraut machen muss, ist es daher strategisch klug, die wirklich langen, dunklen Nächte erst am Ende der Schicht zu haben, wenn sich schon sowas wie Routine eingestellt hat. Momentan ist alles daher noch sehr entspannt.

Ich habe den heutigen Vormittag dazu benutzt, das Umland zu erkunden und ein paar Fotos zu machen. Dafür dass wir hier eigentlich inmitten einer Einöde sind, ist zur Zeit erstaunlich viel Grün. Gelobt sei die Regenzeit!

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Ich werde die nächsten Tage wahrscheinlich nicht zum Schreiben kommen, nächstes Update daher wahrscheinlich nächste Woche, wenn es regnet.

Reise nach Namibia

Ich fliege heute Abend nach Namibia. Als Teil des H.E.S.S.-Experiments darf ich dort für etwa 1 Monat am Teleskop herumwerkeln 🙂

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H.E.S.S. mit CT5 (dem großen Teleskop in der Mitte) - Quelle: H.E.S.S. Web presence

HESS ist ein Experiment eines sogenannten Imaging Air-Cherenkov Teleskop, welches die Lichtblitze in der Atmosphäre beobachtet, die von Gamma-Teilchen erzeugt werden. Gamma Strahlung ist hochenergetische elektromagnetische Strahlung, die nur von sehr energiereichen Objekten in der Galaxie erzeugt wird (Und von nuklearen Sprengkörpern, was auch letztens zur Entdeckung der astronomischen Gamma-Strahlung durch die VELA Satelliten geführt hat).

Ich freue mich schon auf Namibia, und hoffe, dass der Internet-Uplink nicht zu rottig ist, dass ich hier den einen oder anderen Beitrag schreiben und einige Fotos mit euch teilen kann. In der Regenzeit kann es schon mal vorkommen, das der Mikrowellen-Link für einige Zeit down ist.

Stay in touch and stay safe,
Phoenix 🙂